Frau Imming geht!

Einige werden jetzt denken, Frau Imming, was macht die denn? Mikro I? Buchführung? Kochrezepte für Kuhn-Tacker? Fast alles davon: Sie ist unsere Mensa-Chefin, und sie geht bald.

Hermes: Hallo Frau Imming!

Frau I.:   Hallo! Rauchen Sie?

Nein, danke. Frau Imming, Sie haben mir beim lockeren Plaudern an der Kasse neulich erzählt, daß jetzt Ihre letzten Monate in der Mensa anbrechen?

Ja, das ist richtig, ich gehe in Rente.

Und das nehmen wir zum Anlaß, Sie mal zu interviewen. Sie sitzen häufig an der Kasse, machen aber noch mehr...

Mein Vater war Fleischermeister. Ich habe mit 17 Jahren angefangen zu arbeiten, habe einen Facharbeiterbrief, und jetzt bin ich Leiterin dieser Cafeteria (eine Mensa sind wir ja eigentlich nicht).

Leiterin? Dann können Sie uns ja einige Interna erzählen Wieviel Essen verkaufen Sie denn pro Tag?

So etwa 600-700 Essen, freitags verkaufen wir etwas weniger, so 400-500. Wir beziehen das Essen von der Mensa-Nord. Ich bekomme da vorher deren Essensliste und wähle dann aus, was wir davon anbieten. Immer nur zwei Gerichte, da wir im Platz leider beschränkt sind.

Aber einige Essen machen Sie auch selber!

Ja, sowas wie Salat, Quark, Pizza ... das reicht dann. Verhungert ist mir noch keiner. Die Preise für das Essen sind vorgeschrieben.

Selbst die Preise für Streichhölzer?

Ja, alle! Fast wäre ja alles viel teurer geworden. Die Zuschüsse sollten gestrichen werden. Wäre das wirklich passiert, dann hätte ein Essen 7 DM gekostet.

Eine kleine Preiserhöhung gab es ja vor kurzem. Hat sich die Zahl der verkauften Essen seitdem geändert (Preiselastizität)?

Nein, das ist ungefähr gleichgeblieben. Ich versuche im übrigen, es allen Studenten recht zu machen. Wenn eine Sache jemandem nicht paßt, soll er uns freundlich sagen, nicht immer nur meckern. Wir lassen ja mit uns reden! Ich möchte, daß die Studenten gerne in die Mensa kommen.

Gibt es aus Ihrer Sicht eigentlich Unterschiede vor und nach der Wende?

Och, vor der Wende hatten wir mehr Kontakt zu den Professoren. Obwohl wir auch heute z.B. zu dem Dekan sehr guten Kontakt haben. Ganz oben waren damals übrigens die Militärfinanzen, alles Stasi, wußte man ja. Aber sehr nett! Wenn die Ihr Semester fertig hatten, was die mir immer geschenkt haben! Lauter Sachen, die man sonst nicht bekam. Die anderen dachten alle, ich hätte Silberhochzeit.

Und der Kontakt zu den Studenten?

Der war gut, und ist auch heute noch gut! Früher haben wir sogar die Parties mitgemacht! Aber wie gesagt, der Kontakt zur FDJ, ähh, nee, StuRa heißt das ja heute, ist auch momentan sehr gut.

Und untereinander?

Wir sind ein gutes Team! Alle Mitarbeiter sind sehr fleißig, alle ziehen mit, wenn mal was ist. Man wird nie im Stich gelassen. Schreiben Sie das ruhig so! Und auch von meinem Chef erfahre ich volle Unterstützung!

Wenn ich meine Cola bis zum Rand fülle, werde ich an der Kasse drauf hingewiesen, daß dann die Cola bald teurer wird. Glauben Sie, daß gerade Wirtschaftsstudenten die Becher möglichst voll machen?

Nein, ich glaube, das hat keinen Einfluß.

Ich war früher häufig an der TU-Mensa, dort gibt es girovend als Zahlungsmittel...

Langfristig ist das auch geplant, kann aber  noch dauern. [Anmerkung: In der langfristigen Raumplanung der Fakultät soll die Mensa ohnehin rausrationalisiert werden. Die Baupläne hierzu können beim StuRa eingesehen werden.]

Und an der TU sind die Portionen größer...

Das kann sein, aber ich bestelle z.B. 600 Portionen, und dann muß ich so einteilen, daß 600 Portionen auch herauskommen. Ich habe keinen Einfluß auf die Größe.

Was ist das verrückteste, was Sie in der Mensa erlebt haben?

Einmal war eine hier, keine Studentin, die hatte wirklich 3 Ratten im Mantel! Da haben sich andere Studenten beschwert, daß die mit den Ratten am Tisch saß. Ich bin dann zu ihr hin und habe sie gebeten, bitte die Mensa zu verlassen.

Sie hören jetzt also auf was werden Sie dann machen?

Das Aufhören fällt mir schwer, aber ich bin jetzt 46 Jahre im Beruf und das ist doch genug, oder?
Nach meiner  Pensionierung möchte ich mich mehr um den Garten kümmern, und endlich mal rumreisen, nicht weit, Deutschland angucken. Mal nach Hamburg vielleicht.

Frau Imming, was ist Ihr Lieblingsessen?

Tja, hehe, ich esse gerne Hausmannskost, einen schönen Eintopf oder Kohlroulade.

Vielen Dank für das Interview, und alles Gute! Wir werden Sie vermissen!

Das Interview führte Florian Knust